Der Monte Baldo, auch “Hortus Europae” (Garten Europas) genannt, ist ideales Ökosystem für eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren.

Der Monte Baldo besteht aus unterschiedlichen Zonen, die von einer typisch alpinen Gegend auf 2.200 m bis zu einem submediterranen Bereich unten am Gardasee reichen.
Aus diesem Grund ist der südliche Alpenableger in Europa einzigartig und wurde bereits im 16. Jh. von Botanikern erforscht. An den Hängen sind 43% der Alpenflora , die Hälfte aller italienischen Orchideenarten (über 60) und fast 40% aller bekannter Schmetterlingsarten (2085) vertreten.
Einige Pflanzenarten kommen ausschließlich in diesem Gebiet vor, weshalb sie den Namen “Baldense” haben. Beispiele hierfür sind die Anemone Baldensis, die Galium Baldensis und die Knautia Baldensis.
Das Klima wird stark vom Gardasee beeinflusst. So sorgt er am Fuß des Berges für ein außergewöhnlich mediterranes Ambiente mit Olivenhainen, Steineichenwäldern, Steinlinden, Lorbeergewächsen, stechendem Mäusedorn, Terebinthen und Zypressen (mediterrane Pflanze, die von der etruskischen Bevölkerung eingeführt wurde). Auch die Südostausrichtung des Hanges hat wesentlich zur Entwicklung der idealen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen für die genannten Pflanzenarten beigetragen. Ein weiterer Grund für die außergewöhnlich hohe Pflanzenvielfalt war die letzte Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren. Die Bergspitze blieb nämlich vom Schnee ausgeschlossen, weshalb einige präglaziale Arten überleben konnten, indem sie sich an die neuen Umweltbedingungen anpassten.
Auch bezüglich Arzneipflanzen hat der Monte Baldo eine große Vielfalt von Heilkräutern zu bieten. Bereits im 16. Jahrhundert wollten sie Gelehrte zur Herstellung von Medikamenten verwenden. Die Veroneser Francesco Calzolari (1522-1609) und Giovanni Pona (1565-1630) gehörten zu den ersten, die diesen Aspekt vertieften. Es war der Arzt Giovanni Battista Olivi aus Cremona, der den Monte Baldo auf den Namen „Hortus Italiae“ taufte, was dann von europäischen Botanikern zu „Hortus Europae“ ausgedehnt wurde.
Um die absolute Einzigartigkeit dieser Umgebung zu verdeutlichen, reicht es, an das Stadtmuseum von Rovereto zu denken, dessen Mitarbeiter nach jahrelanger botanischer Forschung im Jahr 2004 eine natürlich vorkommende Pflanze entdeckten, die in keiner Weise mit anderen vorhandenen Spezies verwandt ist: die Guenthera Repanda. Es handelt sich um einen Kreuzblütler, der dem Kohl ähnelt und von einer der einflussreichsten Institutionen botanischer Studien, der Berliner Willdenowia, in die Liste neuer Arten der Welt aufgenommen wurde. Gemeinsam mit dem Kerner-Hahnenfuß und Gipskraut Gypsophila Papillosa sind sie weltweit die einzigen drei Pflanzen, die ausschließlich auf dem Monte Baldo wachsen.

icon-map-marker Ort: Monte Baldo (Vr, Tn)
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