Die Redaktion von GardaConcierge hat einen neuen Kulturführer erstellt. Dieser nimmt Leser anhand der archäologischen Stätten vor Ort mit auf eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit des Gardaseegebiets.

Monte San Martino – Riva del Garda
siti archeologici monte san martino rivaAm nördlichen Gardasee liegt eine der wichtigsten archäologischen Siedlungen der Region: Auf dem Monte San Martino, auf einer Höhe von ca. 800 Metern,befand sich ein altes Dorf. Durch die Anbindung an die wichtigsten Verkehrswege verfügte es über eine extrem günstige Lage. Funde vor Ort ermöglichen die Datierung der Siedlungen in der Gegend auf die späte Eisenzeit und belegen religiöses Leben für diesen Zeitraum. Während der Römerzeit diente die Siedlung weiterhin als Kultstätte; tatsächlich geht der Bau einer vermutlich als Heiligtum fungierenden großen Anlage auf das Ende des 1. Jh. n. Chr. zurück. Hier wurden Statuetten verschiedener Gottheiten gefunden, die auf eine Nutzung des Komplexes als polytheistische Weihestätte hinweisen. Zwischen dem 5. und 6. Jh. wurde das Gebiet allerdings schon vorrangig militärisch genutzt, zumindest auf der Südseite. Zu diesem Zeitpunkt fand auch eine dauerhafte Ansiedlung statt; die Funde der Wohnstätten lassen auf ein recht ausgedehntes Dorf schließen. Aus einer späteren Epoche, nämlich der Zeit zwischen dem 8. und 9. Jh., stammt die dem Heiligen Martin gewidmete Kirche Chiesa San Martino, deren Bau im Laufe der Zeit verschiedene Änderungen erfahren hat.
Tenno ist Sitz des Dokumentationszentrums des Monte San Martino. Dieses beherbergt bei den Ausgrabungsarten ans Licht beförderte Funde, sortiert nach verschiedenen Siedlungsepochen. Für weitere Informationen und die Kartenreservierung empfehlen wir den Besuch der Webseite des Dokumentationszentrums*.

Felszeichnungen – Torri del Benaco
siti archeologici incisioni rupestriUnsere Entdeckungsreise durch die prähistorische Vergangenheit des Gardaseegebiets führt uns an einige der zahlreichen Orte an den Hängen des Monte Baldo, die Felszeichnungen aufweisen. Das betreffende Gebiet ist weitläufig. Die meisten Felszeichnungen befinden sich in der Gegend um Torri del Benaco, die von Crero bis Brancolino reicht und an Garda angrenzt. Direkt bei Crero befindet sich mit der sogenannten Roccia Grande das wohl größte mit Zeichnungen versehene Felsstück in der Gegend. Im Gebiet um Brancolino hingegen befinden sich die ersten in den 60er Jahren entdeckten Felszeichnungen, die größtenteils Boote darstellen. Später wurden Zeichnungen von Waffen freigelegt, die sehr viel eher entstanden, etwa um das 1. Jahrtausend v. Chr. Die Felszeichnungen wurden durch Gravieren und Pickeln mit hartem Stein wie Serpentin oder Quarzit geschaffen. Im Morgenlicht und bei Nässe treten sie noch deutlicher hervor.
Um die Felszeichnungen bei Crero zu besichtigen, empfiehlt es sich, das Auto in Torri zu lassen und den zum Viertel Coi führenden Saumpfad entlang zu gehen. Dabei hat man von zahlreichen Aussichtspunkten einen herrlichen Blick auf den Gardasee. Auch Brancolino erreicht man am besten zu Fuß. Es ist ratsam, das Auto in San Vigilio zu lassen und die Strada dei Catèi zu verfolgen, die einst die einzige Verbindungsstraße zwischen Torri und Garda war.
Einige der schönsten Felszeichnungen können zudem heute in der “Sala delle Incisioni” im Museum in der Scaligerburg von Torri del Benaco besichtigt werden.

Pfahlbausiedlungen – Peschiera del Garda
siti archeologici palafitte peschieraDas Gardaseegebiet zeichnet sich durch zahlreiche prähistorische Pfahlbaustätten aus. In jüngster Zeit sind die von Peschiera und dem Frassino-See mit anderen Orten in den französischen, schweizerischen, italienischen, österreichischen, deutschen und slowenischen Alpen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Die organischen Materialen der Bauten wurden im sie umgebenden Wasser besser konserviert, als wenn sie von Luft umgeben wären. Die Siedlung von Belvedere bis Peschiera del Garda ist die älteste und mit dreißigtausend Quadratmeter auch die ausgedehnteste. Unterwasserforschungen haben ergeben, dass das Gebiet während der gesamten Bronzezeit bewohnt war. Die weniger umfangreichen Arbeiten am Frassino-See haben Funde ans Licht gebracht, die wegen ihres Ursprungs in einer Torfgrube gut erhalten sind.
Funde aus den Pfahlbausiedlungen am Gardasee finden sich auch in der paläoanthropologischen Sammlung des naturgeschichtlichen Museums in Verona. Für weitere Informationen empfehlen wir den Besuch der Museumswebseite*.

Grotte di Catullo – Sirmione
siti archeologici grotte catullo sirmioneIn Sirmione, das mittig am Südende des Gardasees gelegen ist, verbergen sich hinter dem Namen “Grotte di Catullo” die Überreste einer römischen Villa. Der Fund der Überreste eines norditalienischen Herrenhauses ist eindrucksvoll. Wenn der römische Dichter Catull auch ein Grundstück im Gebiet Sirmiones besaß, so es ist keineswegs sicher, dass es sich dabei um dieses handelte.
Dank der Ausgrabungsarbeiten, die zwischen beiden Weltkriegen begonnen und erst in jüngster Zeit abgeschlossen wurden, lässt sich das dem ganzen Bau zugrundeliegende Prinzip erkennen. Dieses ist durch Ordnung und Symmetrie auch in der Platzaufteilung gekennzeichnet. Insgesamt hat die Villa mit ihrem rechteckigen Grundriss eine Fläche von über zwei Hektar. Für ihren Bau musste der Boden weitflächig eingeebnet werden. Das Hauptgeschoss ist stärker beschädigt, während das Mittel- und Erdgeschoss besser erhalten sind. Die Villa wurde während des augusteischen Zeitalters errichtet, genauer gesagt zwischen dem Ende des 1. Jh. v. Chr. und dem Beginn des 1. Jh. n. Chr., während die Aufgabe der Villa im 4. Jh. erfolgt zu sein scheint. Nach dieser Epoche war die Villa unbewohnt, zudem begann das Gebäude zu dieser Zeit zu verfallen und nachzugeben.
Die Grotte di Catullo können von April bis September dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr  und von Oktober bis März zu reduzierten Öffnungszeiten von 9 bis 16 Uhr besucht werden. Nah der Ausgrabungsstätte, genauer am Piazzale Orti Manara, steht das dazugehörige Museum mit den gleichen Öffnungszeiten. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Ausgrabungsstätte.

Villa Romana – Desenzano del Garda
siti archeologici villa romana desenzanoZu Beginn der 20er Jahre des 20. Jh. sind durch Zufall die Überreste einer anderen Villa aus der Römerzeit am Gardasee zum Vorschein gekommen. Diese liegt auch in der Provinz Brescia, aber weiter westlich, in der Stadt Desenzano del Garda. Der Bau der Villa lässt sich auf drei aufeinanderfolgende Phasen zurückführen, die in einem Zeitraum zwischen dem Ende des 1. Jh. v. Chr. und der ersten Hälfte des 4. Jh. n. Chr. angesiedelt sind. Wenn die traditionell Catull zugeschriebene römische Villa durch Imposanz besticht, so beeindruckt die Villa Romana von Desenzano durch ihre herrlichen bunte Mosaike, die auf einer Fläche von mehr als 240 Quadratmetern wieder instand gesetzt werden konnten. Aufgrund der Lage des Gebäudes unmittelbar am Gardasee wird angenommen, dass dieses einen direkten Zugang zum Gardasee mit Molen und Liegeplätzen hatte. Der Gedanke an die Fischerei als Hauptfunktion liegt daher nah. Wie zuvor erwähnt, verleihen die Mosaike dieser Stätte einen großen künstlerischen Wert. Unter den Darstellungen sei besonders auf die weinlesenden Putten, Streitwagen, wilde Tiere, allegorische Szenen und Mänaden und Satyre hingewiesen. Der Name des ehemaligen Besitzers der Villa ist unbekannt, die Opulenz des Gebäudes lässt aber vermuten, das es sich dabei um eine illustre und wohlhabende Person gehandelt hat. Daher könnte die Villa auch dem Bruder des römisches Gegenkaisers Magnentius, Flavius Magnus Decentius, gehört haben, dessen Name sich leicht auf die Stadt Desenzano zurückführen lässt. Im Eingangsbereich der Villa ist das Museum untergebracht, das die Funde der Ausgrabungsarbeiten beherbergt, das “Antiquarium”. Die Besuchszeiten sind wie folgt: Von März bis Oktober dienstags bis sonntags von 8:30 bis 19:00 Uhr, von November bis Februar schließt das Museum an den gleichen Tagen schon um 17:00 Uhr. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Stadt*.

Villa Romana – Toscolano-Maderno
siti archeologici villa romana toscolano madernoAm Westufer des Gardasees, in der Gemeinde Toscolano-Maderno, steht ein weiterer archäologischer Komplex aus der Römerzeit: Hierbei handelt es sich um eine Villa, deren Struktur denen in Sirmione und Desenzano nicht unähnlich ist. Schon im 15. und 16. Jh. wurde die Existenz der Villa Romana bekannt, die den Nonii Arrii, einer der wichtigsten Familien aus Brescia und Umgebung, gehört haben soll. Obwohl die Ausgrabungsarbeiten am Gardasee nur einen Teil der großen Anlage zu Tage förderten, kann man den Aufbau der generellen planimetrischen Anlage erahnen. Der Baubeginn geht auf das 1. Jh. n. Chr. zurück. Beim ersten Bau lag der Hauptkörper der Villa parallel zum Seeufer, mit zwei Vorbauten entlang der Nord- und Südseite und einer Loggia, die auf den See blickte. Bis zum 5. Jh. hat die Anlage danach Veränderungen und Eingriffe erlebt. Heute kann man bei einem Besuch der Ausgrabungsstätte den seitlichen Vorbau der Südseite der Villa entdecken. Dieser besteht aus verschiedenen Räumen, auf deren über einen Meter hohen Außenwänden die Reste der früheren Dekoration zu sehen sind. Die Ausgrabungen haben zudem den Fußboden einiger Räume dieses Bereichs zum Vorschein gebracht, die mit Mosaiken versehen sind. In jüngster Zeit wurde die Identifikation eines anderen Teils der Anlage begonnen. Etwa 50 Meter nördlich vom gerade genannten Vorbau aus gibt es einen Raum, bei dem es sich vermutlich um ein Triclinium, also ein römisches Speisezimmer, handelt, das auf die Loggia mit Seeblick hinausging. Im Außenbereich, d.h. im an den See führenden Garten, sind Überreste eines beeindruckenden rechteckigen Brunnens ausgemacht worden.
Für Informationen zu den Öffnungszeiten für kostenlose individuelle und kostenpflichtige geführte Besichtigungen, empfehlen wir die Webseite der Gemeinde*.

* Webseite auf Italienisch

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